„Der Kneifer darf nicht einfach aufhören“

Ems-Zeitung, 03. Juni 2017

Redaktionelle Betreuung für Zeitung der Michaeloberschule gesucht – Eine Marke am Obenende

Der Kneifer darf nicht einfach aufhören
Die 103. Ausgabe des „Kneifers“ hält das Redaktionsteam um die scheidende Lehrerin Johanna Müller-Belzer (Dritte von links)
und Anna-Maria Heinemann, Jule Schneider, Wiebke Meyer, Sophie Czarnetzki, Sarah Walker und Susan Voskuhl in den Händen.
Vielleicht ist es die letzte Ausgabe der Schulzeitung.

Fotos: Christian Belling

„Der Kneifer“ ist am Obenende eine Marke. Doch wie geht es mit der Zeitung der Michaeloberschule weiter? Nach 26 Jahren Redaktionsarbeit verabschiedet sich Lehrerin Johanna Müller-Belzer in wenigen Wochen aus dem Schuldienst. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Von Christian Belling

Papenburg. Nach druckfrischen Heften riecht das Lehrerzimmer an der Schule zum Ende dieser Woche. 700 Exemplare des „Kneifers“ wurden angeliefert und warten darauf, für 1,50 Euro gekauft zu werden. Es ist die 103. Ausgabe und eventuell die letzte. In den vergangenen 26 Jahren hat Johanna Müller-Belzer die Redaktion geleitet. Zum Ende des Schuljahres scheidet sie aus dem Dienst aus und damit auch aus dem Kneifer-Team. „Es macht keinen Sinn, dass ich im Ruhestand weiter die Zeitung betreue, da ich nicht mehr täglich das Schulleben wahrnehme“, so die Lehrerin. Ein Nachfolger ist bislang noch nicht in Sicht.

Die Hoffnung auf eine Fortsetzung des „Kneifers“ hat sie dennoch noch nicht ganz aufgegeben. „Junge Kollegen haben mich bereits angesprochen. Doch ich will auch nicht zu viel Druck aufbauen“, erzählt Müller-Belzer. Denn sie weiß auch, dass die Betreuung der Schulzeitung viel Zeit und Einsatz mit sich bringt. „26 Jahre war der Kneifer mein Baby. Ich habe viel Freude und freie Zeit investiert.“ Zeit, die jüngere Lehrerkollegen heute kaum noch hätten. „Der Lehrerberuf ist wirklich hart geworden. Da kann man es nicht erwarten, dass einer die Aufgabe übernimmt.“ Und dennoch dürfe die Schulzeitung „jetzt nicht einfach aufhören“.

Besonders stolz ist Müller-Belzer auf die errungenen Preise. „Viermal waren wir Sieger beim Jugendpressepreis.“ Doch auch ohne Auszeichnungen war sie immer von der Arbeit überzeugt. „Wenn ich mir die Entwicklung des Kneifers ansehe, bin ich sehr zufrieden.“ Von einem farblosen Heft, das in den Anfangsjahren aufwendig zusammengeklebt werden musste, habe sich die Zeitung dank vielerlei Unterstützung zu einem „Hochglanzprodukt“ gemausert.

An der Michaelschule gibt es den „Kneifer“ bereits seit 33 Jahren. Seit 2014 erscheint er zweimal jährlich mit rund 100 Seiten. Eine Onlineversion gibt es bereits seit 2010. Pro Heft hat Müller-Belzer zwischen 250 und 300 Stunden redaktionelle Arbeit aufgebracht. In der Freizeit am heimischen Computer. Ganz alleine saß sie bei der Produktion allerdings nicht. Ein wechselndes Schülerteam stand ihr in den Jahren zur Seite. Dieses hat sich besonders um den Kontakt mit den Werbepartnern gekümmert. „Der Austausch mit den Schülern, den Sponsoren und dem Kollegium hat immer Spaß gemacht“, erinnert sich die Lehrerin.

Auch die Rückmeldung aus der Leserschaft war stets positiv. „Am Obenende ist der Kneifer eine Marke. Die Zeitung hat eine hohe Akzeptanz bei Schülern und Eltern, die selbst an der Schule unterrichtet wurden“, weiß Müller-Belzer. Zudem leiste das Heft einen Beitrag zur Identifikation. Auch deshalb setzt sich Schulleiter Thomas Springub für einen Erhalt der Zeitung ein. „Ich bin optimistisch, dass es für den Kneifer weitergeht. In welcher Form auch immer.“

Worte, die die scheidende Lehrerin gerne hört. „Ich bin der Meinung, dass die Zeit auch reif ist für eine Veränderung. Vielleicht gibt es unsere Schulzeitung bald nur noch online. Lassen wir uns einfach überraschen, ich glaube, es wird gut.“


Originalseite der EZDer Kneifer darf nicht einfach aufhören
Ems-Zeitung vom 04.06.2017


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