Grammofon trifft iPhone in der Schule

Ems-Zeitung, 4. Februar 2017

Zeitreise durch Technikgeschichte:
Uni konzipiert mithilfe des Sammlers Rudi Evers eine Ausstellung

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Der Radiosammler Rudi Evers (links) und Uni-Dozent Manfred Hermanns stellten in der Michaelschule
die Ausstellung vor, die von Studenten entwickelt wurde.

Fotos: Jürgen Eden

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Von Jürgen Eden
Papenburg. Der Papenburger Rudi Evers und die Universität Oldenburg sind davon überzeugt, dass sich Kinder und Jugendliche auch von älterer Technik begeistern lassen. Unter anderem mit Grammofon und Plattenspielern haben sie eine Ausstellung konzipiert, in die die Oberschüler der Michaelschule in den kommenden vier Wochen eintauchen können.

„So schön, schön war die Zeit“: Einen besseren Titel hätten die Organisatoren zum Ausstellungsauftakt nicht wählen können, als sie eine alte Schallplatte von Freddy Quinn auflegten. Auch wenn ein leichtes Knistern zu vernehmen war, um so voluminöser hallten die Klänge durch das Forum. „Je einfacher die Technik, umso begreifbarer wird sie“, kommentierte Manfred Hermanns, Dozent für die Techniklehrerausbildung an der Universität Oldenburg, diesen Moment.

Dann berichtete er von den Anfängen der Ausstellung, in der sozusagen das Grammofon auf das iPhone trifft. So sei er mit dem Papenburger Radiosammler Rudi Evers vor etwa neun Monaten im Deutschen Technikmuseum in München gewesen. Dort wurde die Idee geboren, mit Studenten eine Ausstellung methodisch und didaktisch so zu konzipieren, dass die komplexen Inhalte für Haupt- und Realschüler leicht zu begreifen sind. Das Ergebnis: eine postergeführte Ausstellung mit Experimentiermöglichkeiten, aber auch mit Exponaten aus Evers’ privatem Radiomuseum.

Dazu bekommt jeder Schüler ein von Studenten entwickeltes Forscherheft an die Hand, mit dem er eine Reihe an Fragen beantworten muss. „Ziel ist es, mit diesem Heft das Thema Grammofone zu erschließen, weil wohl kein Kind so etwas vor dem Besuch der Ausstellung gesehen hat“, so Hermanns weiter. Aber es gehe auch darum, die Kinder auf eine Zeitreise durch die Technikgeschichte mitzunehmen.


Das private Radiomuseum von Evers in Papenburg ist schon seit rund sechs Jahren eine wichtige Anlaufstelle für die Oldenburger Technikstudenten. Meistens nutzen sie das Wintersemester für längere Exkursionen durch die Räume mit über 3000 Radios, Schallplattenspielern und Grammofonen.

„Der fachliche Austausch ist für beide Seiten bereichernd“, sagt Evers über die Kooperation. Denn eigentlich, so verriet er am Rande der Ausstellungseröffnung, wäre er am liebsten Techniker geworden. Doch mangels Ausbildungsplätzen rieten ihm seine Eltern, das Malerhandwerk zu erlernen. Doch immerhin gelang es ihm, in der Freizeit seiner Leidenschaft nachzugehen.


Sein Enthusiasmus begeistert offenbar die Studenten, denn sie berichteten, dass Evers’ Fundus in diesem Umfang in Deutschland nahezu einmalig sei. Dabei wurden auch Rufe laut, die Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Evers kündigte indes an, in naher Zukunft mit der Universität eine kleine Versuchswerkstatt zu errichten. Dort sollen Schüler dann auch mal löten oder messen dürfen, um mehr über die Grundlagen des Handwerks zu erfahren.

Auch Schulleiter Thomas Springub sieht in der Ausstellung eine Bereicherung für den Unterricht, speziell für den Profilkurs Technik. „Ich finde, wenn man einfach mal so bei Whatsapp eine Sprachnachricht verschickt, dann sollte man sich auch mal Gedanken darüber machen, wie denn wohl die Ursprünge waren. Das Stichwort lautet begreifen, es geht daher um Handlungsorientierung im Unterricht“, erklärte Springub. Die Ausstellung behandele ein Stück Technikgeschichte. Aber man könne auch Rückschlüsse ziehen, wie die Technik heute funktioniere.

Originalseite der EZGrammofon  trifft iPhone in  der Schule
Ems-Zeitung vom 04.02.2017


KOMMENTAR
Nachmachen erwünscht
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann sich mit der Zukunft beschäftigen. Dieses Zitat gilt in besonderer Weise für die Grammofon-Ausstellung in der Michaelschule in Papenburg. Die dort gezeigten Exponate waren erst vor knapp 100 Jahren der Einstieg in die Tonsignalabspielung und folglich die Ursprünge von digitalen Abspielformaten wie MP3.

Die Technik ist heute deutlich komplexer als vor 100 Jahren. Und doch gilt: Wer die Komplexität erfassen möchte, findet mit den historischen Geräten optimales Ausgangsmaterial.

Sicher sind es einige Museen wie beispielsweise das Technikmuseum in München, die dieses alte Wissen für die Nachwelt erhalten.
Es sind aber vor allem auch leidenschaftliche Sammler wie Rudi Evers aus Papenburg, die ohne staatliche Unterstützung helfen, dass die komplexe Technik von heute durch Exponate von gestern begreifbar wird. Und zwar vor Ort.

Bei seiner komplexen Sammlung geht es um mehr als nur um museale Exponate. Für die hiesigen Träger der allgemein- und berufsbildenden Schulen wäre es eine gute Gelegenheit, mit heimischen Ressourcen einen dauerhaften Lernstandort einzurichten, wo Kinder mit Experimenten die Möglichkeit hätten, Dinge zu erforschen und als junge Erwachsene weiterzuentwickeln. Der Anfang ist mit der Kooperation von Evers, der Uni Oldenburg und der Michaelschule bereits gemacht. Nachmachen erwünscht!


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