Muslimische Kinder auch in katholischen Schulen

Ems-Zeitung, 07. Dezember 2015

Michaelschule in Papenburg auf die Aufnahme vorbereitet


2015 - Muslimische Kinder auch in katholischen Schulen
Die Michaelschule
in Papenburg ist auf die Aufnahme von Flüchtlingskindern vorbereitet.
Foto: Aloys Schulte

Von Aloys Schulte

Papenburg. Wenn der Zustrom von Flüchtlingsfamilien mit schulpflichtigen Kindern weiter anhält, werden die Bildungseinrichtungen vor großen Herausforderungen stehen. Das gilt auch für die sogenannten katholischen Konkordatsschulen. Dazu gehört in Papenburg die Michaelschule am Obenende, deren Trägerin die Schulstiftung im Bistum Osnabrück ist.

Laut Landesgesetz müssen 70 Prozent der Schüler katholisch sein, die übrigen dürfen anderen Konfessionen angehören. Da sich der Anteil der muslimischen Jungen und Mädchen in Zukunft erheblich vergrößern wird, kann die Quote in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht mehr eingehalten werden.

Das ist laut Stiftungsdirektor Georg Schomaker aber kein großes Problem. Schon jetzt gebe es Öffnungsklauseln, etwa für Kinder mit Migrationshintergrund oder sonderpädagogischem Förderbedarf. „Es sind immer Absprachen mit dem örtlichen Träger der öffentlichen Schulen möglich“, so Schomaker. Die Stiftung habe seit langer Zeit „sehr gute Kontakte zu Politik und Verwaltung der Stadt Papenburg“. Dadurch sei eine vernünftige Verteilung der Schüler gewährleistet. Das gelte auch für die Johannesschule in Meppen, die Marienschule in Lingen sowie die Dom- und die Thomas-Morus-Schule in Osnabrück.


Birgit Lelonek sagte auf Anfrage, dass es in Papenburg keine Schwierigkeiten geben werde. Die Leiterin des Fachbereichs Soziales und Jugend wies darauf hin, dass mit der Ausnahme für Kinder mit Migrationshintergrund schon ein großer Spielraum gegeben sei, da die Kinder von Flüchtlingen in diese Kategorie zu zählen seien. Bei deutlicher Überschreitung der Quote sei es zudem möglich, dass Stadt und Stiftung beim Kultusministerium in Hannover gemeinsam einen Antrag auf der Erhöhung der Zahl von nicht katholischen Schülern stellen könnten.

Auch Thomas Springub, seit September Leiter der Michael-Oberschule, sieht die Sache entspannt. Seit 2007 wird dort nach seinen Angaben schon islamischer Religionsunterricht angeboten. Daran nehmen zurzeit 39 der insgesamt 770 Schüler aus sechs Jahrgängen in fünf Kursen teil. Außerdem gebe es spezielle Sprachfördermaßnahmen unter Einbeziehung der Eltern. Das Projekt „Schüler-Paten“, in dem Einheimische den Migranten beim „Zurechtfinden“ helfen, ist laut Springub ein großer Erfolg. Im Januar soll zudem ein internationales Café von Schülern für Schüler starten.

Bei der Integration ausländischer Kinder falle den Schulen eine besondere Rolle zu. „Vor dem Hintergrund unserer kirchlichen Ausrichtung wären wir die Letzten, die dabei nicht helfen“, so Springub.


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Ems-Zeitung vom 07. Dezember 2015

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