Die Erinnerung wachhalten

Ems-Zeitung, 10. November 2015

250 Papenburger gedenken der Reichspogromnacht 1938

2015 - Die Erinnerung wachhalten
Bei der Gedenkfeier an die Pogromnacht hielten Schüler der Michaelschule Schilder hoch.
Foto: Christoph Schillingmann
Von Christoph Schillingmann
Papenburg. 250 Papenburger haben mit einer Gedenkstunde am Standort der ehemaligen Synagoge an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert. Insbesondere an den im September 2015 verstorbenen Wilhelm Polak, der die Nacht vor 77 Jahren am eigenen Leib miterlebte.

„Jemand, der seine Hand nach den Verbrechen gegen die Juden ausgestreckt hat, war Wilhelm Polak“, sagte Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) in seiner Ansprache. „Er wäre in diesem Jahr am 25. Dezember 90 Jahre alt geworden.“ Polak habe aus eigener Erfahrung von den barbarischen, hasserfüllten Taten der Nazis zu berichten gewusst. „Er war als Papenburger auf einmal fremd in seiner eigenen Heimatstadt“, sagte Bechtluft. Dennoch habe er sein Leben hier wieder aufgebaut und dabei mitgeholfen, auch die Stadt wieder aufzubauen.

Die Schülerinnen und Schüler der Michaelschule Papenburg, die die Gedenkfeier am Hauptkanal vorbereitet hatten, hielten Schilder hoch. Sätze wie „Wieder brennen Flüchtlingsheime“ oder „Flüchtlinge und Helfer von rechtem Terror zunehmend bedroht“ waren darauf zu lesen. „Wir müssen die Erinnerung wachhalten, damit so etwas nie wieder passiert“, sagte eine Schülerin auf der aufgebauten Bühne neben dem Gedenkstein.

„Nie wieder Hass“

Vor dem Gedenkstein, auf dem die Namen jüdischer Familien und Einzelpersonen stehen, die von den Nationalsozialisten in Papenburg verfolgt und getötet wurden, verneigte sich Bürgermeister Bechtluft. Er stellte dort zusammen mit zwei Schülern Laternen ab. „Wir erinnern an die Menschen, die dem größten Verbrechen aus Hass zum Opfer gefallen sind“, sagte der Bürgermeister. „Nie wieder Intoleranz, nie wieder Hass und Mord.“


Das Klezmerensemble des Gymnasiums Papenburg und der Musikverein von 1996 begleiteten die Gedenkfeier musikalisch.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Warenhäuser und über 1400 Synagogen, darunter auch die Synagoge in Papenburg am Hauptkanal, von den Nationalsozialisten zerstört und viele Menschen jüdischen Glaubens verhaftet.


Originalseite der EZDie Erinnerung wachhalten
Ems-Zeitung vom 10.11.15



Originalseite der EZMichaelschule gestaltet Gedenkfeier an Pogrom
Ems-Zeitung vom 06.11.15

2015 - Die Erinnerung wachhaltenAuf dem Gedenkstein stehen die Namen jüdischer Familien und Einzelpersonen stehen,
die von den Nationalsozialisten in Papenburg verfolgt und getötet wurden.
Foto: Christoph Schillingmann

2015 - Die Erinnerung wachhaltenBürgermeister Jan Peter Bechtluft vor dem Gedenkstein.
Foto: Christoph Schillingmann

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