Noch keine Spur von Abschied

Der Wecker, 06.06.2010

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An der Papenburger Michaelschule hat Ludger Stukenborg viele Akzente gesetzt. Der
glänzende Bronzekopf des römischen Philosophen Seneca, einer von vielen Preisen
und Auszeichnungen, ziert seit 2008 die Eingangshalle der Schule.

Foto: Jürgen Eden

In zwei Wochen wechselt Ludger Stukenborg, Rektor der Michaelschule in Papenburg, in den Ruhestand.

Von Jürgen Eden

PAPENBURG. Fast seit 33 Jahren ist Ludger Stukenborg Leiter der Papenburger
Michaelsschule im bevölkerungsreichsten Papenburger Stadtteil Obenende. In seinem Büro stapeln sich seit einigen Wochen die Kartons, denn in zwei Wochen tritt er seinen Ruhestand an. Rund 5.000 Schüler haben in dieser Zeit die Haupt- und Realschule durchlaufen.

Von den Kartons in dem Büro einmal abgesehen deutet derzeit eigentlich nicht sehr viel auf seinen Weggang hin. Business as usual, will heißen normaler Geschäftsbetrieb bestimmt den Alltag. Eine Kollegin fragt ihn beim Gang über den Flur, wo die Lüftung eingeschaltet wird. „Ich kümmere mich gleich drum“ sagt Stukenborg. Einige Tage zu vor hatte der Förderverein der Michaelschule noch Werkzeuge übergeben. Der Rektor war nicht nur dabei, sondern erläuterte mit Stolz, dass die praxisnahe Berufsorientierung ein wesentlicher Baustein des pädagogischen Konzeptes ist. Nur die hauseigene Zeitung „Der Kneifer“ stimmte die Mitschüler schon mal mit der liebevollen Überschrift „Tschüss Stuki" auf die neue Personalsituation ein.

Dass der gebürtige Böseler (Kreis Cloppenburg) nach seinem Studium in Papenburg landen würde, hätte er nicht gedacht. Schnell wurde er heimisch. Heute leitet er sogar den Verein „Papenbörger Hus“. „Ich hatte für mich damals nur festgelegt, dass ich nicht in meinem Heimatort unterrichten möchte“, so der Pädagoge.
Während des Studiums nahm er an einer Fahrt teil, die alle Lehreranwärter in den Altkreis Aschendorf-Hümmling führte. „Als wir durch Papenburg fuhren, erzählte man uns einen Witz, dass die Möwen dort alle auf dem Rücken flögen, um das Elend in der Kanalstadt nicht sehen zu müssen. Der Hintergrund lag damals in der strukturellen Rückständigkeit der Region“, so Stukenborg. Von Rückständigkeit hat er bei seiner Berufung zum Rektor 1977 im Kollegium nichts gespürt. Im Gegenteil: Er rannte offene Türen ein, als er mit modernem Gedankengut neue Akzente an der katholischen Bekenntnisschule setzte.

„Nicht der Einzelne mit den Inhalten der Bibel, sondern das solidarische Miteinander unter Einbeziehung der christlichen Botschaft rückte immer stärker in den Mittelpunkt“, so Stukenborg. Auch von den Eltern habe er stets einen starken Rückhalt erfahren dürfen. „Wenn ich heute Ehemalige treffe, dann ist zu hören, dass sie stolz sind, Schüler der Michaelsschule gewesen zu sein“, so der Rektor. Die Gründe liegen sicherlich auch an den drei Bundespreisen von 2006 bis 2008 und der Erlangung des Gütesiegels. Selbst die FAZ setzte sich mit der betrieblichen Berufsorientierung und den Kooperationen zwischen der Michaelschule und den 180 Unternehmen auseinander. Akzente konnten während der Amtszeit aber auch beim grenzüberschreitenden Lernen gesetzt werden.

Ob Stukenborg nach der Verabschiedung in ein Loch fallen wird? „Nein, ich werde mich erst einmal sammeln und dann neue Ziele definieren“, so der Rektor. Beim Verein „Papenbörger Hus“ und auch im Tourismus sieht er weiterhin Betätigungsfelder.

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