Leinen los für die „Michaela“

Kirchenbote, 9. Oktober 2005

Michaela
Schüler, Lehrer und Berufsberater sind stolz auf das Plattbodenschiff "Michaela, das nach
guter Zusammenarbeit mit Betrieben vor Ort bald in Papenburg vom Stapel läuft.
Foto: Petra Diek-Münchow
Von Petra Diek-Münchow

Papenburg. 30 Jugendliche der bischöflichen Michaelschule in Papenburg haben außerhalb des normalen Unterrichts ein Boot gebaut. Das gut sechs Meter lange Plattbodenschiff, mit dem Touristen über die Kanäle in Papenburg fahren können, läuft in den nächsten Tagen vom Stapel.

„Das ist unser Schiff!“ Flink klettern Nasuf Belliki, Karsten und Michael Janßen sowie Dennis Kröger in das kleine Prahmschiff. Stolz halten die Schüler der Klasse 10H1 das hölzerne Namensschild hoch – stellvertretend für ihre Kameraden und Kameradinnen aus anderen 9. und 10. Klassen der Haupt- und Realschule. „Michaela“ soll das Boot heißen, in Anlehnung an den Namen der Schule und der St.-Michael-Kirche.

Die Jungen und Mädchen der Wahlpflichtkurse Holz, Metall, Elektrotechnik und Kreatives Gestalten haben seit Ostern für dieses Projekt fleißig und freiwillig gearbeitet. „Es war eine Freude zu sehen, mit welcher Akribie sie dabei waren“, lobt Schulleiter Ludger Stukenborg die Bootsbauer. Und die „Michaela“ kann sich sehen lassen. Rumpf und Reling strahlen weiß-türkis, auf den sorgsam gearbeiteten Sitzbänken aus Mahagoni haben zwölf Passagiere einschließlich Skipper Platz. In den Tisch haben die Schüler sogar Halterungen für Getränkedosen eingebaut. Angetrieben wird das Schiff von einem geräuschlosen Elektromotor.

Zugute kommt das Projekt dem Museumsverein „Papenbörger Hus“. In dessen „Von-Velen-Anlage“ liegt die „Michaela“ künftig vor Anker und wird dort zu ihren Rundfahrten starten.

Die Michaelschule hatte dem Verein angeboten, das Prahmschiff zu bauen – vor allem, damit interessierte Schüler durch praktische Arbeit verschiedene Berufsfelder kennen lernen und so die richtige Entscheidung für ihre Ausbildung treffen können.
„Vertiefte Berufsorientierung“ heißt dieser Ansatz, der an der Haupt- und Realschule als Schwerpunkt gilt. So sind unter dem Begriff „praxisorientierte Arbeitslehre“ Wahlpflichtkurse eingerichtet, in denen die Schüler mit Beginn der 7. Klasse in nahezu alle Berufsfelder hineinschnuppern können. Außerdem gibt es Betriebstage, Fachpraktika und Berufsberatung.

Dabei arbeitet die Schule mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Wie jetzt beim Bau der „Michaela“, der 9000 Euro kostete. Die Agentur übernahm 50 Prozent, den Rest teilten sich Schule und Verein. Berufsberater Alfred Meijer und Uwe Schwietert sind begeistert: „Das ist hervorragend gelaufen.“

Besonders gut finden sie die Verzahnung der Berufsfelder. Durch die Arbeit an einem Objekt erkennen die Schüler, wie wichtig sorgfältige Planung, Zuverlässigkeit, Teamgeist und Pünktlichkeit sind – genau wie im Berufsleben.

Gelungen finden alle Beteiligten zudem die enge Kooperation mit Betrieben vor Ort. Einen Teil der Arbeiten wie maßgenaues Zuschneiden von Spanten oder Sitzbänken konnten die Jugendlichen direkt in der Schule erledigen. Für andere Arbeiten wie Schweißen, die Elektroausrüstung und den Grundanstrich fuhren sie in die Meyer-Werft, die Ausbildungswerkstätten der Bundeswehr in Weener und den Malereibetrieb Röttgers. Den Transport zwischen diesen verschiedenen Lernorten übernahm das Autohaus Ahrens.

Der Kontakt zu den Firmen wirkt nach. „Wer da in guter Erinnerung bleibt, hat vielleicht schon einen Ausbildungsplatz in der Tasche“, sagt Uwe Schwietert.

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