Vieles lernt sich „praktisch“ einfach besser

Lehrer für „Praxistage“ im Betrieb

Ems-Zeitung, 01. Dezember 2005

Guetesiegelverleihung in Meppen
GÜTESIEGEL „STARTKLAR FÜR DEN BERUF“ erhielten die Haupt- und Realschule Spelle und die
Michaelschule in Papenburg. Von links: Landrat Hermann Bröring, Schulleiter Werner Grade (Spelle),
Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf (Spelle), Manfred Janssen (Landesschulbehörde),
Bürgermeister Josef Löcken (Spelle), Christian Voskuhl und Schulleiter Ludger Stukenborg (Papenburg)
sowie Georg Schomaker (Schulstiftung Bistum Osnabrück) und Horst Sellere (Papenburg).


Meppen ys Mehr Praxisbezug im Unterricht der Hauptschulen ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Schülern soll dadurch der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden, und auch die Lehrer stehen dem neuen Konzept prinzipiell positiv gegenüber, wie bei einer Fachtagung von Hauptschulpädagogen in Meppen deutlich wurde.

Die angestrebte „Verknüpfung zweier Lernorte“ (Schule und Betrieb) hat nach den Erfahrungen der letzten Jahre gute Ergebnisse gebracht. Auch wissenschaftlich wurde in einer Studie der Universität Hamburg belegt, dass sich die Leistungen von Schülern durch Praktika in Unternehmen deutlich verbessern. Wie Julia Helmer berichtete, konnten im Modellversuch „Arbeiten und Lernen in Schule und Betrieb“ sowohl die schulische Leistung als auch die Lernmotivation der Schüler gesteigert werden. Dabei sei deutlich geworden, dass Jugendliche, die drei Tage pro Woche in der Schule und zwei Tage im Betrieb verbrachten, in allen Fächern die gleichen oder sogar bessere Ergebnisse erzielten als ihre Mitschüler, die den ganzen Unterricht in Schule absolvierten.

Ähnlich positive Erfahrungen wurden auch im Emsland gemacht, wie Bernhard Schwarz, Leiter der Haupt- und Realschule in Dörpen, bestätigte. Dort wurde ein verbindlicher Praxistag in Zusammenarbeit mit den Berufsbildenden Schulen in Papenburg eingeführt.

Schwarz: „Wer ganz praktisch die Größe zum Beispiel eines Werkstückes berechnen muss, hat eher Zugang zu den notwendigen mathematischen Formeln als jemand, der nur theoretisch mit dem Problem befasst ist.“

Klar wurde bei der Tagung allerdings auch, dass ein solches Konzept Umstellungen im schulischen Lernalltag erfordert und vor allem „Prioritäten gesetzt werden müssen“, so Manfred Janssen von der Landesschulbehörde. Konkret könne dies heißen: Abstriche in den Fächern Musik, Kunst und auch Religion.

Die Bedeutung der Hauptschule für die Ausbildung von Arbeitskräften gerade im Handwerk unterstrich der Haselünner Unternehmer Dieter Barlage, Vorsitzender des vor einem Jahr gegründeten Wirtschaftsverbandes Emsland: „Wir brauchen für die Zukunft Nachwuchskräfte vor allem im Produktionsbereich. Da ist die praxisorientierte Ausrichtung der Hauptschulen der richtige Weg für die Betriebe und unsere künftigen Arbeitnehmer.“

Für vorbildliche, in diese Richtung weisende Projekte, wurden die Haupt- und Realschule in Spelle und die Michaelschule in Papenburg mit dem Gütesiegel „Starklar für den Beruf“ ausgezeichnet. So wurden in Spelle unter anderem verschiedene Schülerfirmen gegründet. In Papenburg erarbeiteten Schüler und Lehrer ein Modell zur Gewaltprävention und ein Projekt zum Umgang mit neuen Medien. Mehr Infos unter www. michaelschule.de im Internet.

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