Ihre Leiden dürfen niemals in Vergessenheit geraten

Gestern Gedenkveranstaltung aus Anlass der Progromnacht
Ems-Zeitung, 10. November 2004

Gedenktag 2004Im Rahmen der Gedenkveranstaltung erinnerten die Realschüler der Michaelschule
noch einmal an die Gräueltaten der Nationalsozialisten
Foto: J. Mammes
Papenburg (ma)
Rund 200 Bürger haben gestern Abend an der Gedenkveranstaltung der Stadt Papenburg aus Anlass der Progromnacht vor 66 Jahren teilgenommen. Am 10. November 1938 um 5 Uhr hatten die Nationalsozialisten die jüdische Synagoge und Schule in Papenburg in der Nähe des Hauptkanals in Brand gesetzt.


Realschüler der Michaelschule Papenburg gestalteten gestern zusammen mit dem Posaunenchor der evangelischen Papenburger Kirchengemeinden, dem Blasensemble des Gymnasiums und dem Jugendchor der St-Michael-Kirchengemeinde die Zeremonie.

In einem Rollenspiel zeigten die Realschüler auf, dass Fremdenfeindlichkeit immer noch allgegenwärtig ist. So waren die Zehntklässler bei einer Klassenfahrt in London von britischen Jugendlichen "murderer" (auf Deutsch: Mörder) beschimpft worden.

Mit Plakaten und eindrucksvollen Schilderungen erinnerten gestern die Schüler noch einmal an die Gräueltaten des NS-Regimes. So wurden auch in Papenburg jüdische Häuser, unter anderem der Familie Hes, geplündert und angesteckt. Nicht weniger als 39 Papenburger Juden ließen in den Konzentrationslagern ihr Leben.
Bürgermeister Ulrich Nehe freute sich, dass erneut Jugendliche diesen Gedenktag gestalteten. Er appellierte an die Papenburger Schüler: "Wir sind es den Opfern schuldig, dass ihre Leiden niemals in Vergessenheit geraten." Es gelte, die historische Wahrheit auch an zukünftige Generationen weiterzugeben. Zugleich forderte er die Mitbüger auf: "Wir müssen den Irregeleiteten ohne Wenn und Aber entgegentreten."

Sein Dank galt in besonderer Weise dem ehemaligen Papenburger Mitbürger Julius Hes. Er war erst kürzlich in Chile verstorben. Als Überlebender des Holocaust habe sich Hes in besonderem Maße um die Versöhnung der ehemaligen Juden mit der Stadt Papenburg verdient gemacht.

Synagoge von 1887
Die Synagoge in Papenburg wurde 1887
errichtet und stand bis zu ihrer Zerstörung
1938 am Hauptkanal. Foto: Keimer-Archiv

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