Haare waschen und Farbe anmischen

Alternative Vorbereitung auf den Beruf an der Michaelschule in Papenburg

Kirchenbote Nr. 26 - 27. Juni 2004

Papenburg – „…fürs Leben lernen“, lautet das Motto des Schulprogramms der Michaelschule, einer Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe in Trägerschaft des Bistums Osnabrück. Dieses Motto wird in Verbindung mit einer praktischen Berufsorientierung umgesetzt: ein halbes Jahr lang haben 108 Hauptschüler der Klassen 8 an jedem Mittwoch in einem Betrieb gearbeitet. Jetzt stellten sich Betriebe und Praktikanten in der Michaelschule vor.

Betreut werden die Schüler von Fach- und Klassenlehrern, die in Absprache mit den Betriebsleitern Fehlentwicklungen auffangen und positive Tendenzen verstärken. Nach Meinung von Schulleiter Ludger Stukenborg ist das Projekt „zu 90 Prozent sehr gut angekommen“. So sieht es auch Marco Brelage: Der 15-Jährige absolviert bis Ende Juni ein Praktikum als Schlosser bei der Meyer-Werft. Mit den Arbeitskollegen komme er gut klar, sagt Marco. Wichtig für ihn sind die Einblicke,die er in den Beruf bekommt. „Die Arbeit mit Metall gefällt mir so gut, dass ich eine Ausbildung in diesem Bereich machen möchte.“ Sein Lehrer Hermann-Josef Meiners findet das Projekt „ganz toll: Die Schüler zeigen viel Interesse“.

Auch Birgit Borchers von der Meyer-Werft ist mit dem Ablauf zufrieden, sieht aber Probleme mit einer möglichen Realisierung für alle Hauptschulen: zu hohe Kosten und zu wenig Kapazitäten. Sinnvoll sei die schriftliche Beurteilung am Ende des Halbjahrespraktikums, die bei einer späteren Bewerbung für einen Ausbildungsplatz herangezogen werden können.
Tag des Berufes
Talent geerbt: Sabrina Jansen (l.) will Friseurin werden – wie ihre Tante. Marion Kohne (r.) ist mit ihrem Engagement zufrieden. Und auch „Model“ Saskia.
Foto: Keller


In einem völlig anderen Berufsfeld ist Sabrina Jansen tätig: Da ihre Tante auch als Friseurin arbeite, habe sie sich dafür interessiert und es von Anfang an gerne gemacht, sagt die Schülerin. „Ich durfte Haare waschen, Farbe anrichten oder Maschinenschnitte machen.“ Friseurin Marion Kohne lobt den Betriebstag im Vergleich zum üblichen 14-tägigen Betriebspraktikum: „Die Praktikanten sind länger dabei und können mehr lernen.“

Ludger Stukenborg liegt die Zukunft seiner Schüler am Herzen. „Gerade kirchliche Schulen dürfen sich nicht verstecken und müssen in die Offensive gehen, wenn es darum geht, Hauptschüler für den Beruf stark zu machen“, sagt der Schulleiter.

Holger Keller

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