Andreas Robin: Was versteht ihr unter Gewalt?

Polizei leistet gezielt Präventionsarbeit

Ems-Zeitung, 25. Februar 2004

Gewalt2004.jpg Zur Verbesserung des Klassenklimas will das Programm der Polizei und mehrerer emsländischer Schulen
"Prävention im Team" beitragen. Andreas Robin von der "Arbeitsgruppe Jugend" der Polizeiinspektion
Papenburg spricht dabei das Thema Gewalt und deren mögliche Folgen an. Diesmal in einer siebten
Hauptschulklasse der Michaelschule.
Foto: van Bevern

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Papenburg
"Jemanden fertig machen", "Telefonterror" oder "ein Kind missbrauchen" - das verstehen die Schüler einer siebten Hauptschulklasse an der Michaelschule unter Gewalt. Damit die Schüler einschätzen können, welche Folgen solche Gewaltanwendungen haben, besuchte Andreas Robin von der "Arbeitsgruppe Jugend" der Polizeiinspektion Papenburg die Klasse.

Robin ist seit mehreren Jahren in der Arbeitsgruppe aktiv. Alle Straftaten, die Kinder und Jugendliche in Papenburg und Umgebung begehen, landen unweigerlich auf seinem Tisch - oder auf denen seiner Kollegen Sieglinde Janssen und Wilfried Schlömer. Doch die drei Polizisten haben nicht nur Straftaten aufzuklären, Gespräche mit Tätern und deren Eltern zu führen. Auch die Prävention fällt in ihren Aufgabenbereich, damit Gewaltausbrüche wie in Hildesheim, wo ein Junge über viele Wochen von seinen Mitschülern gequält worden war, (wir berichteten) im nördlichen Emsland möglichst nicht vorkommen. So stehen regelmäßige Jugendschutzkontrollen in Diskotheken, auf Schützenfesten oder Abifeiern auf ihrem Dienstplan.

Zusätzlich gibt es seit einigen Jahren das Programm "Prävention im Team", an dem in Papenburg unter anderem die Michaelschule teilnimmt. Ein Schulprojekt läuft dabei über sechs Wochen. "Im Unterricht sprechen wir mit den Schülern darüber, wie sie Gewalt in ihrem Alltag erleben", erläutert Maria Hanekamp, die als Beratungslehrerin an der Michaelschule für das PIT-Projekt verantwortlich ist. So werden Zeitungsausschnitte gesammelt und über einzelne Fälle wird gesprochen. Am Ende einer solchen Projektphase steht der Besuch eines Polizeibeamten. "Wir wollen dabei den Schülern aufzeigen, welche Folgen die Anwendung von Gewalt konkret für ihr Leben haben kann", erläutert Robin diesen Teil der Arbeit. Die Lehrer nähmen nach seinen Erfahrungen das Angebot, die Schüler ein Stück weit zu begleiten, sehr gerne an.

"Gewalt gegen Sachen", "Seelische Gewalt" oder "Schwere Körperverletzung" - nichts bleibt in diesen zwei Stunden unangesprochen. Und dass auch Jugendliche nach mehreren Ladendiebstählen oder Schlägereien zu 100 Arbeitsstunden im Krankenhaus oder bei der Reinigung öffentlicher Parks oder Friedhöfe "verdonnert" werden können, sorgte auch bei diesen Schülern für Entsetzen: "Das würde mir aber stinken."

Von Carsten van Bevern

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